Weihnachten in Mendoza

Die Fahrt von Jujuy nach Mendoza ist lang, aber nicht spektakulär. Die Busse sind mittelmäßig komfortabel. Ankunft in Mendoza, Taxi und rein in meine neue Unterkunft. Ein kleines Apartment, einfach, stadtnah und ausreichend.

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Das zweite Fenster rechts über der Bar ist meins

Am  nächsten Morgen ist Heiligabend. Ich habe mir eine Weinprobe organisiert und treffe mich zwei Strassen weiter mit zwei Gruppenmitgliedern. Eine Taxifahrt bringt uns zum Weingut in Maipú. Insgesamt sind wir 5 Leute, die den Vormittag mit einer Gutsbesichtigung und Weinprobe verbringen wollen.

Es ist sehr spannend, wie uns der Besitzer sein Weingut beschreibt. Wie wird der Wein transportiert, wie kommt das Wasser regelmäßig zum Wein (in einer Gegend mit 300 Tagen Sonnenschein, in der es fast nie regnet, welche Trauben werden genutzt, wo kommen die Trauben her… Früher hat es viele Besitzer von kleinen Weingütern gegeben, die ihre Trauben an Verarbeiter verkauft haben. Der Wein war zu der Zeit qualitativ eher nicht sonderlich hoch angesiedelt. Heute gibt es sehr unterschiedliche Weingüter, aber es wird zunehmend Wert auf Qualität gelegt. Der Anbau wurde umgestellt. Weniger Trauben heißt besserer Wein.

Eine weiße Rebsorte, die auf dem Weingut verarbeitet wird, kommt aus Frankreich und ist sehr selten. Ansonsten wird natürlich auch der für die Gegend typische Malbec verarbeitet. Wir kosten die Weine direkt aus den Stahlfässern. Besonders interessant sind die Unterschiede von vier Sorten Malbec aus unterschiedlichen Gegenden rund um Mendoza. Mir hat ein Malbec-Wein besonders geschmeckt, er kommt aus dem Uco-Valley. Dort wird es nachts kälter, was dem Wein eine besondere Note gibt.

Neben der Weinprobe finde ich interessant, vieles von den Mitgliedern der Gruppe zu ihren Lebensverhältnissen in ihrem (Gast-)Land zu hören (Chinesin mit US-Partner in Pennsylvania lebend, Brite mit mexikanischer Partnerin in Mexiko-City lebend). Es macht mir nochmal deutlich, dass es den Menschen in Deutschland finanziell und bezogen auf Menschenrechte – noch – wirklich gut geht.

Am Abend habe ich mich mit meiner Familie verabredet. Ein – wenn auch kurzer – Chat via Facetime zum Weihnachtsfest. Auf der anderen Seite des Geräts die gesamte Familie mit Brüdern, Mama, Nichte und Schwägerinnen. Ich bin ziemlich gerührt, aber da bin ich, glaube ich, nicht allein. Das tut gut, auch wenn es ein wenig melancholisch macht.

Nach einer kleinen Stadtbesichtigung am 25.12. geht es jetzt per Bike durch die Weinberge. Eine andere Geschwindigkeit, das Land zu erleben. Wir, wieder eine sehr gemischte Gruppe mit diesmal 7 Personen, besuchen 3 verschiedene Weingüter. Das erste – familiär geführte – Weingut, hat die Kenntnisse aus der Verarbeitung von Wein für eine zusätzliche Bierbrauerei genutzt. Im zweiten Betrieb geht es sehr traditionell zu. Wir lernen hier erneut einiges über Weinanbau und -verarbeitung. Während einer Weinprobe testen wir den Unterschied desselben Weins, der in unterschiedlichen Fässern (französisch, amerikanisch) gelagert wurde.

Auf zum dritten Betrieb, aber dies ist der Tag, der in Mendoza ein besonderer ist. Es gewittert und gießt in Strömen. Da die Temperaturen aber um 35 Grad sind, stört uns das wenig. Im dritten Betrieb war ein gemütliches draußen sitzen geplant. Nun ja, drinnen ist auch ganz schön. Hier bekommen wir zu den Weinen dann auch Snacks, also leckere Empanadas und Eis zum Nachtisch. Zurück gehts erst mit dem Bike im Eiltempo und dann mit dem Taxi.