Puerto Williams – Ich besuche den südlichsten Ort der Welt

Neben mir macht sich eine Gruppe von Deutschen – ich vermute – auf denselben Weg. Insgesamt beobachte ich einfach mal, was um mich rum passiert. Offensichtlich muss man ein zusätzliches Ticket für die Nutzung des Hafens kaufen. Es kostet 120 Pesos. Ok, das ist geschafft. Dann kommt jemand, der anscheinend den Hut aufhat. Er nimmt jedenfalls von der deutschen Gruppe die Reisepässe entgegen. Meine Chance… Ja, er organisiert die Überfahrt für das Schiff, nimmt auch meinen Reisepass und stratzt damit in die Migration. Nach einer Weile werden uns allen die Pässe wieder in die Hand gedrückt. Aber ich habe keinen Einreisestempel. Also kurz selbst rein ins Migrationsbüro. Ja richtig, hier ist nur die Ausreise. Komme mir ein bisschen doof vor, aber besser so als wieder der Ärger wie in Uruguay. Und dann eine kleine Überraschung: das Schiff über den Beagle-Kanal. Es ist – nun ja – eher klein. Los gehts.

Wir verlassen den Hafen und machen eine kleine Touri-Runde um den Leuchtturm mit Seelöwen, kurz noch zu den Kormoranen, die aussehen wie Pinguine und dann treffen wir noch auf ein Schiff, auf dem gerade die Krebse eingeholt werden. Der Kapitän kauft einen größeren und weiter geht die Fahrt über den Kanal. Jetzt wird der Seegang auch ruppiger. Gut, dass wir eigentlich heute eher weniger Sturm haben als die Tage zuvor. Das hätte ich nicht gern erleben mögen.

Nach ca. 30 Minuten sind wir drüben und werden auf einen Bus „umgeladen“. Noch ca. 1 1/2 Stunden Fahrt und wir sind in Puerto Williams gelandet. Dort werden wir umgehend zur Migration gebracht und erhalten ohne Schwierigkeiten unsere Stempel. Die Kontrolle des Gepäcks entfällt. Da hätte ich doch nicht alles Gemüse in Ushuaia lassen müssen. Aber die Strafen sollen ganz schön heftig sein, wenn man beim Schmuggeln von frischen Sachen (Obst, Gemüse, Eier, Fleisch, Milch etc.) erwischt wird.

Ich hole mir noch schnell Geld aus dem Automaten und mache mich auf den Weg zu meiner neuen Unterkunft. Auf der Straße werde ich von einer Autofahrerin angesprochen: „Christine?“ Ja, ich werde ins Auto geladen und der letzte kleine Weg geht mit dem Kleinbus. RELAX – das Motto des Hostels, wird mir gleich mit Kaffee und Wurstbrot ans Herz gelegt. Und es dürfen hier alle reinkommen, die Wärme suchen; wenn ein Bett frei ist, darf es besetzt werden. Auch eine eher seltene Einladung.


Ich mache mich erstmal auf den Weg, das kleine Dorf zu erkunden. Manche Bewohner treffe ich gleich zweimal. Alles übersichtlich… Am Ende des Dorfs gibt es noch eine kleine Siedlung, in der auch die letzte Ureinwohnerin der Yagan lebt.

Die meisten Gäste, die sich hierher verirrt haben, machen sich auf den Weg zu einem 4-5 Tagestrack, der recht anspruchsvoll sein soll. Widriges Wetter, Moor und eine eher mäßige Beschreibung des Wegs sind die Herausforderungen. Es gibt immer wieder schwere Unfälle. Am Tag meiner Ankunft mussten zwei Leute ausgeflogen werden, einer mit Bein-, eine mit Beckenbruch. Ich laufe aber nur die Strecke des ersten Tags hin und zurück. Da ist noch alles gut ausgeschildert. Eine schöne Sicht auf die Umgebung und die Berge belohnt die Mühe.

Am Tag der Abreise mit dem Fährschiff wird dieses noch am frühen Morgen durch eine Demo am Ausladen gehindert. Die Demo fing klein an, zum Schluss waren aber ca. 50 Leute vor Ort, für die Zahl der Bewohner eine ganze Menge. Die Demonstrant_innen wollen verhindern, dass auch im Beagle-Kanal eine Lachszucht angesiedelt wird. Diese Zuchtanlagen verseuchen das Wasser und Lachse, die sich aus den Käfigen befreien können, verändern das gesamte Ökosystem. Da bin ich schnell dabei und pfeife mit, bis mir die Füße in meinen Badelatschen kalt werden. Tatsächlich soll sich die Abfahrt dann um ca. 3 Stunden verschieben. Wir gehen trotzdem um 16.00 Uhr aufs Schiff. Die Seefahrt durch Tierra del Fuego kann beginnen.