Rapa Nui – Isla de Pascua – Osterinsel

Nach den Sicherheitskontrollen und dem Bezahlen der Eintrittsgebühr von schlappen 80 US Dollar werde ich von meiner Gastgeberin empfangen. Ich kann in Hanga Roa, dem einzigen Ort der Insel, noch ein paar Sachen zum Essen einkaufen und dann geht es zur Unterkunft. Ich werde am anderen Ende der Insel auf einem Campingplatz übernachten, direkt neben dem einzigen Strand der Insel und neben den ersten Moai, die ich nach dem Zeltaufbau gleich besuche. Hier sind nur am Strand einige Restaurants und ein kleiner Kiosk, ansonsten gibt es keine Infrastruktur und eben auch kein wlan.

Der Campingplatz ist einfach aber mit Duschen, Spültoilette und einer Außenküche ausgestattet. Wobei Außenküche meint: es gibt eine Feuerstelle, auf der gekocht wird und einiges an Geschirr, was auf einem Tisch darauf wartet trocken zu werden. Dazu gibt es einige Utensilien zum Kochen und je nach Reife auch einiges aus dem Garten der Host, die in einem Haus ca. 100 m entfernt mit Familie wohnt. Die Feuerstelle wird von den Volunteers vor Ort überwacht und so weit so gut auch am Brennen gehalten. Wir haben auch verschiedene Tiere, mit denen wir den Platz teilen: Hunde, Katzen, ein Pferd und Hühner.

Der erste Spaziergang am Abend lässt mich hoffen, dass ich hier richtig bin. Es ist schon eine besondere Atmosphäre, die mich hier umgibt. Nachts, auf dem Gang zum Klo, kann ich dann den gigantischsten Sternenhimmel bewundern, den ich je gesehen habe. Stehenbleiben, hochgucken und staunen. So viele Sterne, wow.

Am nächsten Morgen hab ich mir was vorgenommen. Meine Mum hat ihren 92. Geburtstag und ich möchte sie gern mit einem Anruf überraschen. Ich leihe mir ein Fahrrad für den Tag und will über die Rundstrecke nach Hanga Roa. Sie soll nicht so hügelig sein wie der direkte Weg, allerdings auch länger. Mich erwarten 24 km Wegstrecke mit zig kleinen Hügeln, diversen Straßenschäden, Tieren auf der Fahrbahn, aber auch sensationellen Ausblicken auf weitere Moai und tolle Küstenstreifen.

Leider ist der letzte Anstieg vorm Ort dann doch sehr heftig und von mir nur per pedes zu bewältigen, so dass ich insgesamt 3 1/2 Stunden für die Strecke brauche. Meine suche nach einem Telefon wird nach einer halben Stunde Suchen belohnt. Dachte ich… Die Anleitung ist eindeutig, aber ein Anschluss läßt sich nicht herstellen. Mist!

Na gut, dann erkunde ich den Ort noch ein bisschen, kaufe Essen und eine Flasche Wein ein, die mir noch fehlen und gehe in einem Imbiss essen. Eine der Volunteers hat mich vor der Dauersonne auf der Rückfahrt gewarnt. Deshalb bleibe ich noch, ruhe aus und surfe am Hauptplatz noch ein wenig im kostenfreien Internet. Um kurz vor 16.00 Uhr mache ich mich aber auf. Den fiesen Hügel umgehe ich und fahre direkt am Airport vorbei. Ich will jetzt noch an den verschiedenen Moai Halt machen und mir dort jeweils ein Päuschen gönnen. Gedacht, getan. Hier und da sehe ich einige umgefallene Statuen, die nicht unter Schutz gestellt sind und schaue sie mir an. Hier bin ich ganz allein mit den Moai, was ich sehr genieße, auch wenn es nicht die Exemplare sind, die man von Bildern kennt.

Weiter gehts und ich komme dann auch an Nationalparks vorbei. Rad abgestellt, ein Rundbesuch und weiter geht es.

Es wird 18.00 Uhr und die Parks schließen, also ist jetzt die Sightseeingtour zu Ende. Aber es sind noch 14 km und mir tut langsam alles weh, besonders der Hintern, der von den Unebenheiten der Straße einiges abkriegt. Gern würde ich jetzt in ein Auto steigen, aber auch die sind seltener geworden und der Rest braust an mir vorbei. Das Wasser in meiner Flasche wird leider auch bedenklich weniger. Langsam wird mir etwas mulmig, denn um 20.30 Uhr wird es dunkel und dann will ich in jedem Fall zuhause sein. Aber fahren mag ich gar nicht mehr und bergan bekomme ich auch beim Gehen schon Krämpfe. Wenn das mal gut geht… Ja, die letzten 5 km geht es leidlich bergab und ich lass es rollen. Um 20.00 bin ich wieder da, völlig kaputt schmeiß ich mich ins Zelt.

Dreckige Füße waren das kleinere Problem

Der nächste Tag wird ein Strandtag. Super Wetter und klares, warmes Wasser warten auf mich. Das habe ich mir nach der Anstrengung am Vortag verdient.

Am dritten Tag will ich die Moai erwandern, die ich auf der Radtour nicht mehr besuchen konnte. Ich rechne mit ca. 10 km eine Strecke. Schon kurz nachdem ich losgehe, hält ein Auto und nimmt mich bis zum ersten geplanten Stop mit. So kann es weitergehen. Na ja, geht leider nicht, aber dennoch kann ich jetzt verschiedene Moai und auch Zeichnungen ausgiebig betrachten. Wundervoll und sehr beeindruckend die Kunst der Ureinwohner_innen. Was mögen sie sich gedacht haben, als sie all die Kunstwerke erstellt haben? Was war damals der Sinn? Die Moai stehen an vielen Stellen, an denen Fischer ihren Hafen hatten. Sie schauen mit dem Kopf ins Land. Für mich wirkt es, als sollten die Statuen die Gemeinschaft zusammen halten. Was ich nicht wusste: die Bewohner haben ab einer bestimmten Zeit selbst die Statuen umgeworfen. Warum? Waren sie in deren Augen überflüssig geworden? Stellten sie plötzlich eine Behinderung dar? Ich weiß es nicht, habe aber auch noch nicht genauer nachgelesen, was die Forschung dazu sagt.

Besonders angetan bin ich von der Gruppe der Tongariki, 15 Statuen, eine riesiger als die andere, zu bewundern auf einer weiten Fläche, die noch weitere Ritualkunstwerke beherbergt.

Die Gruppe ist auch das Ende meiner Wanderung und jetzt geht es nur noch zurück. Schon nach ca. 3 km werde ich wieder mitgenommen von einer Frauengruppe, die auch zum Anakena-Strand will. Glück gehabt.

Der letzte Tag ist bedeckt und etwas regnerisch. Ich könnte nach Hanga Roa hitchhiken und weitere Stätten erkunden oder einfach nur den Tag genießen. Ich entscheide mich für die zweite Variante. So bleibt mir noch was für den Fall, dass ich wiederkomme. Und ich kann einfach nur mal in mich hineinhorchen, was dieser Ort mit mir macht. Es ist sehr faszinierend, auf einer so kleinen Insel mitten im riesigen Meer zu sein. Heute gibt es eine Anbindung durch Flugzeuge, aber früher? War es bedrückend oder einfach eine Tatsache, die gar nicht hinterfragt wurde? Sowas geht mir durch den Kopf. Die Kultur erinnert mich jedenfalls weit mehr an das, was ich aus der Südsee kenne als an die chilenische Kultur. Wo waren die Verbindungen?

Am nächsten Morgen gehts heim. Um 10.00 Uhr soll ich zum Flieger gebracht werden, hat eine Volunteer am Abend mit den Hosts ausgemacht. Wer jett aber genau mich fährt? Das ist das Fragezeichen, das mich ab 9.30 Uhr beschäftigt. Denn am Haus steht kein Auto, die Host hat die Kinder in die Stadt gebracht und arbeitet als Taxifahrerin. Ihr Mann war wohl nicht so angetan, mich zum Flughafen zu bringen. Um 10.00 Uhr ist dann auch keiner da. Der Flieger geht um 11.35 Uhr und um 10.55 Uhr wird der Check in geschlossen. Was tun? Kein Telefon, kein Internet, kein Auto. Die Volunteer hilft mir, beim Hitchhiken erfolgreich zu sein. Sie spricht spanisch und hat mit der Zeit einige Kontakte geknüpft. Aber was hilft das, wenn kein Auto kommt. Meine Nervosität steigt. Ich möchte wirklich nicht ein neues Rückflugticket kaufen und zudem Schwierigkeiten mit der Nationalparkverwaltung bekommen, die Ein- und Ausreise inzwischen genau kontrollieren. Ein Tourist, ich vermute Chinese, möchte sich den Tag nicht verderben, sagt er. Aber da kommt ein Pick up, Leute, die hier wohnen und sie wollen nach Hanga Roa. Nochmal gut gegangen. Um 10.30 Uhr bin ich am Flughafen und kann einchecken. Auf dem Weg sahen wir noch die Host, wenn sie mich abholen wollte, hätte es wohl auch noch geklappt, aber es wäre um Minuten gegangen. So habe ich zwar den blödsten Platz im Flieger erwischt – ganz hinten in der Mittelreihe in der Mitte – aber ich bin drin im Flieger.

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