Tortuguero, Paradies auf der Karibikseite von Costa Rica

Den ersten Tag verbringe ich mit „Rundumgucken“ und bin von der Atmosphäre des Orts total begeistert. So ruhig und freundlich habe ich nur selten einen Ort empfunden. Fußball auf dem lokalen Kickerplatz direkt neben dem Karibikstrand, spazierengehen am wogenden Strand und ein bisschen rumgucken im Ort, nichts bewegendes, aber gerade deswegen wunderbar.

Am darauffogenden Morgen geht es früh um 5.30 Uhr mit dem Boot und Paddel in die Lagunen rund um Tortuguero. Mit Guide sind wir 4 Personen im Boot. Es gibt Sichtungen von diversen Vögeln, deren Namen mir entfallen sind (manchmal ist es schwierig mit der Sprache, Namen in spanisch oder englisch, aber was ist das in deutsch und spielt das überhaupt eine Rolle, weil es die Vögel in Deutschland sowieso nicht gibt), natürlich wieder eine Affenfamilie, aber neu auch Ameisenbären, die ich noch nie gesehen habe. Sie rascheln im Baum und sind auch nur kurzfristig in Gänze zu sehen. Hatte mir die Tiere ganz anders vorgestellt, nicht auf dem Baum und auch viel größer. Sie wirken auf mich wie Affen.

Außerdem gab es noch Leguane zu sehen und wir sind auch durch eine kleinen Kanal gefahren, aber da war uns am Ende der Weg von einem umgestürzten Baum versperrt. Trotzdem ein netter Abstecher in die Mangrovenwelt. Das Paddeln ist eine feine Sache, entspannt und wenn ich keine Lust habe, kann ich auch mal eine Pause machen. Die Anderen im Boot halten es ähnlich, so kommt ein gemütlicher Rundweg zustande. Insgesamt dauert die Tour 3 Stunden, für mich hat es sich gelohnt, wer nach Tortuguero kommt, sollte das auf jeden Fall machen. Besser als das, was ich vor 10 Jahren erlebt habe, mit Motorboot. Aber auch das war super und hat mich an diesen Ort zurück geführt. Am Nachmittag dann noch ein Spaziergang durch den Nationalpark, wieder mit Faultier, Leguanen und co.

Weitere Tage verbringe ich auf dem Sofa, auf dem oberen Bild zu sehen, mit Bücher lesen und in den Nationalpark gucken. Jeden Tag kommt eine Familie von Brüllaffen vorbei, hangelt sich durch die Bäume, manchmal fällt einer runter, hangelt sich aber wieder vom unteren Ast hoch.

Ein Aguti läuft auch noch durch den Garten und an einem Morgen nach einem heftigen Gewitter höre ich ein lautes Quaaaak. Ein kleiner Frosch hat sich in der Küche verlaufen. Mittlere Aktion von „alle Fenster auf“ verhilft zur Rückkehr in den Garten. Ach ja, auch Kolibris und andere Vögel verfliegen sich ins Haus, wenn Fenster offen sind. Ähnliche Aktion: „Fenster auf“, um die Freiheit zu ermöglichen.

Der nächste Abend steht dann im Zeichen von Schildkrötensuche. Am Strand legen viele Schildkröten ihre Eier in der Nacht ab. Die Zeit der Eiablage beginnt eigentlich im Juli, aber einige Schildkröten kommen auch schon im Juni zur Eiablage. Vielleicht haben wir Glück? Der Strand ist für Besucher ohne Guide ab 18.00 Uhr gesperrt, aber Bewohner wissen, wie sie mit dieser Sperre umgehen können. Wir laufen also den Strand entlang, nicht auf der Nationalparkseite, was mich etwas beruhigt, denn da gibt es Jaguare, die auf Beutefang sind. Vor zwei Wochen hatte ein Jaguar einen Hund am Dorfrand mitgenommen. Seitdem ist der Weg nachts gesperrt. Nach ca. 1,5 km reicht es mir und wir gehen den gleichen Weg zurück. Leider haben wir keine Schildkröte gesehen, richtiger Ort, falsche Zeit. Trotzdem ist es ein schöner Spaziergang am Strand gewesen.

Am fünften Tag habe ich mit meine. Hosts einen Ausflug verabredet, der im Übernachtungspreis eingeschlossen ist. Wir fahren mit dem Boot in den Kanal und versuchen, Fische zu angeln. Tja, davon hatte ich bisher gar keine Ahnung: wie lässt man die Leine oder zieht an? Ok, gelernt, aber angebissen hat nix, auch nicht bei meiner Vermieterin. Trotzdem ist es sehr schön, die Umgebng bis zum Meer zu erkunden. Ich hätte dann auf den einzigen Berg kraxeln können, aber irgendwie hatte ich gar keine Lust. Also fahren wir weiter nach San Francisco, einem kleinen Ort gegenüber von Tortuguero. Hier ist es noch ruhiger, weil auch die Touristen seltener sind. Ein Miniort mit Kneipe, Supermarkt und ein paar Unterkunftsmöglichkeiten. Hier und da ein Hallo meiner Hosts mit den Bewohner_innen, ein Blick in einen kleinen Laden und eine neu entstehende Unterkunft. Thats real life, und ja, so mag ich mir mein Leben vorstellen. Entspannt und auch ein wenig multikulti…

Am letzten Abend möchte meine Host den Vollmond am Strand genießen. Ich möchte mit und wir verabreden uns in ihrem Laden im Ort. Vorher will ich noch den Sonnenuntergang betrachten, der auf der anderen Seite, also in der Lagune zu sehen ist. Danach gehen wir an den Strand und ja, der Mond zeigt sich zwischen den Wolken. Wir trinken noch ein Gläschen Rotwein und kehren heim, leider wieder ohne Schildkrötensichtung. Zum Schluss noch schnell in den Nationalpark geschaut, weil die Tür offen steht. Eine Kröte und dann im Garten sogar noch kleine Schlangen, wovon sich eine häutet??? Oder kriegt die Junge? Soviel bleibt definitiv offen für ein nächstes Mal!

Tja und dann werde ich Costa Rica demnächst verlassen, nach einem Kurzaufenthalt nahe San José in einem Apartment mit Pool und Weitblick.

Kanada, ich komme!!!